Reinigungsrobotik im FM: Pragmatischer Einsatz statt Hype

Barbara Rütimann
Betriebsökonomin FH in Facility Management
Pragmatischer Einsatz von Reinigungsrobotik im Facility Management

Reinigungsrobotik hält zunehmend Einzug in das Facility Management. Dabei handelt es sich nicht um eine universelle Lösung, sondern um eine spezialisierte Technologie, deren wirtschaftlicher und praktischer Nutzen stark vom konkreten Anwendungsfall abhängt. Eine nüchterne Betrachtung hilft, sinnvolle Einsatzgebiete von überzogenen Erwartungen zu trennen und fundierte Investitionsentscheide zu treffen.

Die strategische Einordnung von Reinigungsrobotik

Reinigungsrobotik ist als Erweiterung des Werkzeugkastens im FM zu verstehen, nicht als Ersatz für menschliche Reinigungskräfte. Ihr strategischer Wert liegt in der Automatisierung von repetitiven, grossflächigen Reinigungsaufgaben in standardisierten Umgebungen. Dies ermöglicht eine Konsistenz in der Grundreinigung, eine Entlastung des Personals von monotonen Tätigkeiten und eine präzise Datenerfassung über den Reinigungserfolg. Der wirtschaftliche Nutzen muss jedoch für jedes Einsatzgebiet separat validiert werden.

Typische Einsatzszenarien und ihre Eignung

Die Technologie eignet sich besonders für klar definierte Umgebungen mit geringer Objektdichte. Grossflächige, strukturierte Bereiche wie Flure, Eingangshallen und Foyers in öffentlichen Gebäuden stellen das ideale Einsatzgebiet dar. Hier können Bodenreinigungsroboter (Scheuer-Wisch-Trocken-Automaten) ihre Stärken in der konsistenten Grundreinigung ausspielen.

Für Grossflächen wie Turnhallen, Mensen oder Bibliothekslesesäle bieten Roboter einen ergonomischen und zeitsparenden Vorteil, da sie grosse, freie Flächen ohne manuellen Aufwand reinigen können.

In Umgebungen mit hohem Reinigungsdruck und Hygienestandards, wie z.B. in Gesundheitseinrichtungen, können Desinfektionsroboter mit UV-C-Technologie eine wertvolle Ergänzung zum manuellen Reinigungsprozess sein, um eine lückenlose Keimreduzierung zu gewährleisten.

Kritische Erfolgsfaktoren für den wirtschaftlichen Einsatz

Der erfolgreiche Betrieb von Reinigungsrobotik hängt von mehreren Faktoren ab. Die Infrastruktur und Beschaffenheit der Umgebung ist entscheidend: Ebene Böden ohne Stolperfallen, ausreichend breite Türen und eine zuverlässige WLAN-Abdeckung für die Steuerung sind Grundvoraussetzungen.

Ein klares Betriebs- und Wartungskonzept ist unerlässlich. Dazu gehören geschultes Personal für das Be- und Entladen, die regelmässige Wartung sowie klare Prozesse für die Zusammenarbeit zwischen Roboter und Reinigungspersonal.

Die wirtschaftliche Betrachtung muss die Anschaffungs- oder Leasingkosten, Wartung, Energieverbrauch und Personaleinsparungen gegenüberstellen. Die Amortisation ist oft erst bei langfristigem Betrieb in geeigneten Umgebungen gegeben.

Grenzen und Herausforderungen

Die Technologie stösst dort an Grenzen, wo Flexibilität und kognitive Fähigkeiten gefragt sind. Komplexe Umgebungen mit häufig wechselnden Möblierungen, vielen Hindernissen oder starkem Publikumsverkehr während des Betriebs sind für die meisten Roboter ungeeignet.

Anspruchsvolle Reinigungsaufgaben wie Scheuer-Wisch-Trocken-Arbeiten in Ecken, das Reinigen von Treppen, Toiletten oder das Abstauben von Möbeln liegen ausserhalb der Fähigkeiten aktueller Systeme.

Die Akzeptanz durch das Reinigungspersonal und die Angst vor Arbeitsplatzverlust sind nicht zu unterschätzen. Transparente Kommunikation und die Positionierung der Roboter als unterstützende Werkzeuge sind entscheidend für eine erfolgreiche Integration.

Ein pragmatischer Fahrplan zur Einführung

Die Einführung sollte schrittweise erfolgen. Starten Sie mit einer Pilotierung in einem klar definierten, geeigneten Bereich, um Erfahrungen zu sammeln und den Nutzen zu validieren.

Führen Sie eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung durch, die alle direkten und indirekten Kosten sowie die qualitativen Vorteile (Konsistenz, Datentransparenz) berücksichtigt.

Stellen Sie ein umfassendes Change-Management für die Belegschaft sicher, das Schulungen und die Neuverteilung von Aufgaben umfasst.

Zusammenfassend ist Reinigungsrobotik eine wertvolle Nischentechnologie für standardisierte Großflächen. Sie ist ein Werkzeug zur Effizienzsteigerung, nicht ein Allheilmittel. Ihr Erfolg im FM hängt von einer nüchternen Bedarfsanalyse und einer sorgfältigen Integration in bestehende Prozesse ab.

Weitere Fachartikel

Ratgeber Facility Management

Blog Img
Barbara Rütimann
29.04.2025
Betriebskonzept: Der strategische Fahrplan für wirtschaftliche und zukunftssichere Liegenschaften

Ein Betriebskonzept ist der strategische Fahrplan für eine wirtschaftliche und zukunftssichere Liegenschaftsbewirtschaftung. Es definiert Ziele, Prozesse und Ressourcen, um Nachhaltigkeit, Werterhalt und Kosteneffizienz langfristig zu sichern.

Blog Img
Barbara Rütimann
02.04.2025
Gutachten Personalbedarf: Wissenschaftliche Personalbemessung

Ein wissenschaftliches Gutachten zum Personalbedarf liefert eine datenbasierte Grundlage für die optimale Personalbemessung, die wirtschaftliche Anforderungen und qualitative Standards in Einklang bringt.

Blog Img
Gabriel Trifunović
01.05.2025
Dokumentation von FM-Tätigkeiten: Grundlage für Qualität, Rechtssicherheit und Effizienz

Eine systematische Dokumentation von FM-Tätigkeiten schafft Rechtssicherheit, ermöglicht Qualitätsmanagement und liefert die Datenbasis für wirtschaftliche Entscheidungen.

Ihr Weg zu einem besseren Facility Management.

Vereinbaren Sie Ihr unverbindliches Kennenlerngespräch, digital oder vor Ort.

Text Rotate
Background Image