FM Planung
22.05.2024

Von der Planung zur Praxis: So wird Ihr Neubau von Anfang an betriebseffizient

Walter Vogelsang
Fachplaner Facility Management
Eine Brücke, die von einer Bauplan-Seite zur anderen Seite eines effizient und sauber betriebenen Gebäudes führt.

Mehr als nur ein Gebäude: Warum betriebliche Effizienz bereits in der Planung beginnt

Der Start der Betriebsphase ist der kritische Punkt der Wahrheit. Hier entscheidet sich, ob ein Gebäude die in es gesetzten wirtschaftlichen Erwartungen erfüllt oder ob es zu einem dauerhaften Kostentreiber wird. Zu oft klafft zwischen der eleganten Planungstheorie und der komplexen Betriebspraxis eine Lücke. Was in CAD-Zeichnungen und Rendering perfekt aussieht, erweist sich im Alltag als ineffizient, wartungsintensiv und teuer.

Doch diese Lücke ist kein unvermeidbares Schicksal. Die betriebliche Effizienz eines Neubaus ist kein Zufallsprodukt, sondern das gezielte Ergebnis einer durchgängigen Perspektive: der des Facility Managements (FM). Sie von Anfang an in den Planungsprozess zu integrieren, verwandelt Immobilien von statischen Kostentreibern in dynamische, wertstabile Assets.

Der Grundstein: Betriebstauglichkeit als Planungsmaxime verankern

Die Weichen für bis zu 80% der gesamten Lebenszykluskosten eines Gebäudes werden in den ersten 20% der Planungsphase gestellt. Schon wenn der erste Grundriss skizziert wird, werden die finanziellen Pfade für Reinigung, Instandhaltung und Energieverbrauch vorgezeichnet.

Ein wirklich effizientes Gebäude zu planen bedeutet, über die ästhetische Hülle hinauszudenken. Es erfordert die Perspektive, das Gebäude als ein lebendiges System sich wiederholender funktionaler Abläufe zu betrachten. Die entscheidenden Fragen lauten dann nicht nur: "Wie sieht es aus?", sondern vor allem:

  • Wie lässt es sich reinigen? Sind die Wege kurz und logisch? Gibt es ausreichend und gut platzierte Reinigungsräume mit Anschlüssen? Vermeiden wir schwer zugängliche Ecken und überflüssige Nischen, die Staub fangen?
  • Wie lässt es sich warten? Sind die Technikzentralen gross genug und zugänglich, ohne dass dafür Büros geräumt werden müssen? Sind die Deckenhöhen für den Austausch von Lüftungsgeräten ausgelegt? Sind Wasser- und Elektroinstallationen leicht wartbar?
  • Wie lässt es sich instand halten? Wurden langlebige, pflegeleichte und reparierbare Materialien gewählt? Ein teurer, empfindlicher Bodenbelag mag im Muster überzeugen, verursacht aber über 20 Jahre immense Reinigungs- und Pflegekosten im Vergleich zu einer robusten Alternative.

Diese scheinbaren "Kleinigkeiten" sind in Wirklichheit die Stellschrauben der Wirtschaftlichkeit. Jede einzelne Entscheidung hat einen direkten, kalkulierbaren Einfluss auf den Zeit- und Personalaufwand im täglichen Betrieb.

Die Übersetzung: Vom Plan zur betrieblichen Realität – das FM-Fachplanungs-Audit

Doch wie gelingt der Brückenschlag zwischen der abstrakten Welt der Linien auf dem Plan und der konkreten Realität des Gebäudebetriebs? Die Antwort liegt in der systematischen Übersetzung.

Ein FM-Fachplanungs-Audit ist das zentrale Werkzeug für diese Übersetzung. Es ist eine präventive Qualitätskontrolle, die die Entwürfe nicht auf ihre gestalterische, sondern auf ihre betriebliche Tauglichkeit hin überprüft. Ein erfahrener FM-Experte analysiert die Pläne mit dem Blick des späteren Nutzers und Betreibers und identifiziert proaktiv:

  • Ineffiziente Laufwege: Führt die Anordnung von Funktionsbereichen zu unnötig langen Wegen für das Reinigungspersonal oder die Haustechnik?
  • Wartungsfallen: Sind Leuchten oder Lüftungsgitter so verbaut, dass für einen Lampenwechsel ein Hubsteiger nötig ist? Sind Ventile und Schächte frei zugänglich?
  • Verschleissfördernde Konstruktionen: Gibt es Engpässe oder Materialkombinationen, die einen überdurchschnittlichen Verschleiss erwarten lassen (z.B. in stark frequentierten Eingangsbereichen)?
  • Fehlende Rückzugs- und Lagerflächen: Wurden ausreichend Flächen für Technik, Reinigungsutensilien und Mülltrennung eingeplant, oder wurden diese aus Kostengründen "wegoptimiert"?

Dieses Audit ist eine präventive Investition, die hilft, teure Fehler zu vermeiden, lange bevor diese in Beton gegossen und damit nur noch mit hohem Aufwand korrigierbar sind.

Die Brücke: Von geometrischen Daten zu belastbaren Betriebskosten – die FM-Betriebskosten-Prognose

Die eigentliche Brücke zwischen Planung und wirtschaftlicher Praxis schlägt eine datenbasierte FM-Betriebskosten-Prognose. Sie verwandelt die geometrischen Informationen der Pläne – Quadratmeter, Raumanzahl, Fensterflächen, technische Ausstattung – in konkrete, nachvollziehbare Zahlen.

Anstatt sich auf grobe Daumenregeln oder vage Schätzungen zu verlassen, erhalten Bauherren und Investoren so eine fundierte Kalkulation des künftigen Betriebsaufwands. Diese Prognose berücksichtigt:

  • Personalkosten für Reinigung und Hauswartungsdienst basierend auf den tatsächlichen Flächen und deren Nutzung.
  • Kosten für Reinigungsmittel und Verbrauchsmaterialien.
  • Energiekosten-Prognosen auf Basis der Gebäudehülle und der geplanten Anlagentechnik.
  • Kalkulatorische Instandhaltungsrücklagen, um langfristig die Wertstabilität zu sichern.

Diese Prognose macht die betriebliche Zukunft des Gebäudes schon in der Planung greifbar und schafft die notwendige Transparenz und Sicherheit für fundierte budgetäre Weichenstellungen. Sie beweist die Wirtschaftlichkeit noch vor dem ersten Spatenstich.

Fazit: Der nahtlose Übergang als Ergebnis einer vorausschauenden Denkweise

Letztendlich ist ein wirklich betriebseffizientes Gebäude eines, bei dem der Übergang in den Betrieb nicht als Bruch, sondern als logische und nahtlose Fortsetzung erlebt wird. Dies ist nur möglich, wenn der Betrieb nicht als nachträglicher Kostenfaktor, sondern als integraler Bestandteil der DNA des Gebäudes von Anfang an mitgedacht wurde.

Es ist das Ergebnis einer Planung, die bewusst nicht beim Richtfest endet, sondern die gesamte Lebensdauer des Gebäudes im Blick behält. Durch die frühe Integration der FM-Expertise wird betriebliche Effizienz kein nachträglich aufgesetzter Wunsch, sondern ein von Beginn an systematisch eingebautes Merkmal. So wird Ihr Neubau nicht nur ein architektonisches Prestigeobjekt, sondern vor allem ein langfristiges, wirtschaftliches Erfolgsprojekt, das seinen Wert über Jahrzehnte sichert.

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